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5G-Netz von Drei in Linz im Test: Erfahrungen, Speedtests und mehr

Drei 5G-Netz Test in Linz
Bild: © 2020 TechnikNews
(Beitragsbild: © 2020 © 2020 TechnikNews)

Der neue Mobilfunkstandard 5G beginnt sich auch in Österreich so langsam durchzusetzen. In Zusammenarbeit mit dem Mobilfunker „Drei“ konnte TechnikNews das 5G-Netz in Linz als einer der Ersten für einige Wochen ausprobieren.

5G wird der nächste große Schritt im Bereich des Mobilfunks. Dieser wird uns kürzere Latenzzeiten und noch schnellere Geschwindigkeiten bringen. Das alles für die kommenden selbstfahrenden Autos, für die Industrie und deren smarten Gadgets – dem IoT (Internet of Things). Während die meisten Kunden in ihren Tarifen noch nicht davon profitieren, kann man mit teureren Tarifen das neue Netz schon nutzen. Bei Drei starten die ersten Österreich 5G-Tarife ab 60 Euro im Monat. Aktuell kostet dieser 59,90 Euro mit Aktivierung von 39,90 Euro.

Dieser Testbericht entstand in Zusammenarbeit mit dem österreichischen Mobilfunker Drei, welcher uns eine 5G-fähige SIM-Karte zur Verfügung gestellt hat. Das hat allerdings keine Auswirkung auf unsere Meinung oder unser Testverfahren.

Basics first: Was ist 5G?

Von vielen wird 5G (5. Generation) als das „Netz der Zukunft“ bezeichnet – nicht ohne Grund: Die neue Generation schafft die Basis für neue Schritte im Internet of Things. Um diese Schritte zu ermöglichen, braucht es vor allem eines: mehr Speed und weniger Verzögerung (Latenz, „Ping“). Im Ausbau-Endstadium sollen mit anders als mit 4G (LTE) und 3G (UMTS) Latenzzeiten von unter einer Millisekunde möglich sein.

Welche Geschwindigkeiten erlaubt uns 5G?

In Zukunft wird es mit 5G möglich sein, sobald alle benötigten Frequenzen versteigert wurden, Geschwindigkeiten von bis zu 10 Gbit/s zu erreichen. Zum Vergleich: Mit LTE Advanced sind bei perfekten Voraussetzungen rund 500 Mbit/s möglich – meist erreicht man aber nur bis zu 300 Mbit/s. Mit 5G soll es hier eine deutliche Steigerung geben: Bis zu 10 Gbit/s sollen möglich sein, derzeit erreichen Kunden in ersten Tests in Österreich aber etwa 1 Gbit/s. Das 5G-Netz steht aber erst am Anfang: Damit man höhere Geschwindigkeiten erreicht, muss man in Zukunft andere Frequenzspektren nutzen. Die letzte Auktionsrunde für diese ging in Österreich vor Kurzem erst über die Bühne.

Der 5G-Ausbau in Österreich: Abhängig von Auktionen und Regulierungen

Beim 5G-Ausbau in Österreich sind mehrere Netzbetreiber beteiligt. Die größten Mobilfunkbetreiber sind in Österreich A1, Magenta Telekom (ehem. T-Mobile) und Drei („3“). Aber auch kleinere Betreiber wie LIWEST, MASS Response („spusu“), Salzburg AG und die Holding Graz sind mit an Board. Diese legen bei Auktionen viel Geld auf den Tisch, um im Gegenzug bestimmte Frequenzbereiche für ihr Netz nutzen zu dürfen.

Die erste 5G-Frequenzvergabe im März 2019

Laut RTR wurden bei der ersten 5G-Frequenzvergabe im März 2019 Lizenzen für 188 Millionen Euro versteigert.

A1 zahlte 64 Mio. Euro, Magenta 57 Mio. Euro und Drei 52 Mio. Euro. Auch LIWEST, welches sich auf das Gebiet rund um Linz konzentrieren möchte, und MASS Response („spusu“), welches 5G in Wien ausbauen möchte, haben mitgeboten und legten 5,3 Mio. Euro und 1,8 Mio. Euro auf den Tisch. Zudem noch die Salzburg AG mit 4,3 Mio. Euro und die Holding Graz mit 2,9 Mio. Euro.

Die zweite 5G-Auktion im August 2020

Im August 2020 fand die zweite und vorerst letzte 5G-Auktion für Österreich statt. Alle 27 Frequenzpakete (700 MHz/6 Blöcke, 2100 MHz/12 Blöcke und 1500 MHz/9 Blöcke) wurden vergeben. Die drei großen Mobilfunker A1, Drei und Magenta haben zugeschlagen – das brachte eine relativ günstige Summe von 202 Millionen Euro. Bei der 4G-Versteigerung waren es zwei Milliarden Euro.

Wie schnell der 5G-Ausbau wirklich geht, steht noch in den Sternen. Auf jeden Fall verpflichteten sich die Anbieter beim Erwerb der 700 MHz-Blöcke zu einer Versorgung von 1702 unterversorgten Katastralgemeinden mit 5G. Bis 2027 soll der Ausbau aber flächendeckend abgeschlossen sein, meint die RTR.

Ob der 5G Netzausbau rasch voranschreiten wird, hänge in hohem Maß auch von den gesetzlichen Rahmenbedingungen ab: der Dauer von Genehmigungsverfahren für die Errichtung bzw. Aufrüstung von Standorten, Wegerechten, Mieten und den Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen den Betreibern, bestätigt uns Drei Pressesprecher Tom Tesch auf Anfrage.

Die 5G-Verfügbarkeit in Linz

Alle drei großen Mobilfunker stellen Netzabdeckungskarten bereit, mit welchen sich der Status von 5G überprüfen lässt. Auffallend ist, dass sich Magenta auf einzelne, kleinere Gemeinden konzentriert, hingegen A1 und Drei jeweils die Hauptstädte beim Ausbau im Visier haben. Vertraut man den Modellen der Betreiber, so hat Drei aktuell das beste 5G-Netz in Linz. Nachprüfen konnten wir das mangelnder 5G-Test-SIMs von A1 und Magenta allerdings nicht.

Der aktuelle Ausbau des 5G-Netz von Drei in Österreich

Drei besitzt derzeit nach eigenen Aussagen 150 5G-Stationen in ganz Österreich, laut Versorgungsauflage müssen es 300 bis zum Jahresende sein. Man wolle aber bis zum Ende des Jahres rund 500 5G-Standorte im Drei-Netz haben, lässt man uns wissen. Die wohl beste Abdeckung und Performance erzielt man derzeit in Linz, auch in Wien gibt es schon vereinzelte 5G-Zellen von Drei. In Salzburg und Innsbruck lassen sich auf der Netzabdeckungskarte auch leichte 5G-Flecken erkennen.

5G-Netz von Drei in Linz im Test: Vorbereitung

Unsere Endgeräte

In Zusammenarbeit mit Drei hatte TechnikNews für einige Wochen die Möglichkeit, das 5G-Netz in Linz auszuprobieren. Als Endgeräte dienten uns hier das Huawei P40 Pro und das Samsung Galaxy S20+ 5G. Das Huawei arbeitet mit einem eigenen Kirin 5G-Chip, Samsung setzt im europäischen Raum ebenso auf einen eigenen Exynos 5G-Chip. Auffällig war bei unserem Test, dass das S20+ bei aktiviertem 5G sehr warm wurde und auch dementsprechend am Akku nagte – das P40 Pro hielt hier wesentlich länger durch. Darüber hinaus erreichte das P40 Pro bei einer einzelnen Teststation meist 30 – 40 Mbit/s mehr im Download. Auch das OnePlus 8 Pro wollten wir gerne mitnehmen, ist aber mit den Frequenzen hierzulande (noch) nicht kompatibel.

Auf Nachfrage bei Drei sind für einen einzelnen Kunden derzeit 1 Gbit/s erreichbar, höhere Datenraten seien aber prinzipiell möglich.

Die Teststrecke

Wir machten uns mit beiden Geräten nach dem Abholen der 5G-Test-SIM vom Drei-Shop direkt auf den Weg. Von dort weg, der Landstraße entlang bis zum Hessenpark führten wir immer wieder Speedtests mit beiden Geräten durch und notierten uns die Ergebnisse an den interessantesten Plätzen. Dann ging es weiter in der Gruberstraße, dann Richtung Parkbad Linz, anschließend bei der Unteren Donaulände, dann zum Ars Electronica Center, zum Domplatz und zurück zum Hauptplatz – auch dort legten wir jeweils 5G-Teststopps ein.

Darüber hinaus wollten wir uns auch ein Bild etwas außerstädtisch machen und führen mit den Öffis Richtung Pasching in die Plus City und auch in die entgegengesetzte Richtung, nach Ebelsberg.

5G-Netz von Drei in Linz im Test: Ergebnisse

Um die Ergebnisse zu ermitteln, hielten wir den Standort, gemeinsam mit den Speedtests der beiden Smartphones, fest. Da ein Speedtest sehr schwanken kann, wechselten wir auch die Speedtest-Server durch und nahmen aus allen Ergebnissen den Durchschnitt, wodurch es ein realistisches Bild der Geschwindigkeiten geben sollte.

Drei 5G-Netz Test in Linz

Die 5G-Masten in der Landstraße in Linz. (Bild: © 2020 TechnikNews)

5G scheinbar überall

Auf dem Weg durch Linz und stadtauswärts wurde uns am Smartphone permanent 5G angezeigt, auch wenn wir laut Netzabdeckungskarte weit außerhalb des Abdeckungsbereichs waren. Auch die Geschwindigkeiten waren dann schon weit geringer und wir erreichten 4G-Geschwindigkeiten von 100 bis 200 Mbit/s, obwohl 5G angezeigt wurde. Wir waren verwundert und fragten bei Drei nach:

Die 5G-Anzeige am Smartphone, obwohl nur 4G vorhanden ist, ist ein bekanntes Thema. Dies liegt an der derzeitigen non-standalone Implementierung von 5G. Das ist derzeit bei jedem Betreiber so. Es handelt sich dabei um ein Endgeräte-Thema. Erst mit 5G SA (Standalone), das wir für nächstes Jahr planen, wird sich dies ändern.

Schwieriges Thema – im Endeffekt kann man sich derzeit noch nicht auf die Anzeige verlassen, in welchem Netz man nun wirklich eingebucht ist. Somit war auch Indoor in Linz immer 5G verfügbar, laut Anzeige zumindest. Laut Geschwindigkeit dürfte es sich dann allerdings schon wieder um 4G gehandelt haben.

Drei 5G-Netz Test in Linz Speedtest

Am Screenshot ist zu sehen, dass das 5G-Symbol oben nicht ausgefüllt ist. War also eigentlich 4G. (Bild: © 2020 TechnikNews)

Der schnellste 5G-Standort in Linz

Wir haben absichtlich auch nach dem schnellsten 5G-Standort in Linz gesucht, falls man mit seinem 5G-Tarif die derzeit maximale Geschwindigkeit ausreizen möchte. Dieser war an der Landstraße gegenüber des Drei Shops (Landstraße 35, 4020 Linz) mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 615 Mbit/s im Download und 50 Mbit/s im Upload. Fährt die Straßenbahn durch – na ja, dann geht der Speed schon wieder deutlich runter. Auch war die Geschwindigkeit nicht an jedem Tag gleich konstant – lag auch vermutlich an der Auslastung des Masts.

Für die Technik-Spezialisten unter Euch – einen Screenshot des Service Mode findet Ihr hier.

5G-Netz von Drei in Linz im Test: Fazit

Für den aktuellen Stand der Technik stellt man technikinteressierten Kunden schon einen guten Ausblick für das kommende 5G-Netz zur Verfügung. Trotzdem ist man bei weitem noch nicht dort, wo die Reise hingehen wird: Die Geschwindigkeiten sind zwar schon ziemlich gut, aber von einem Gbit/s, geschweige denn 10 Gbit/s, ist man leider doch noch entfernt. Beim Upload sowieso – dort waren nie mehr als 50 Mbit/s möglich, was aber von Drei absichtlich limitiert wird.

5G ist auf den aktuellen Frequenzen auch noch ziemlich empfindlich – hinter eine Hausmauer oder Straßenlaterne gehen reicht und die Geschwindigkeit wird gleich weniger. Bei einer vorbeifahrenden Straßenbahn noch schlimmer – mit 100 Mbit/s an Einbußen beim Download kann man hier durchaus rechnen.

Drei 5G-Netz Test in Linz Sendemast

Die 5G-Frequenzen sind empfindlich – nicht ohne Grund findet man Sendemasten meist an Laternen oder Hausdächern. (Bild: © 2020 TechnikNews)

Allerdings bietet Drei im Vergleich zu den anderen Mobilfunkern einen relativ verlockenden 5G-Einstieg. Waren die 5G-Tarife im August noch vom Datenvolumen und Geschwindigkeit her ziemlich begrenzt, so setzt man jetzt auf unlimitiert und 300 Mbit/s im Download und 100 Mbit/s im Upload. Bei Drei geht es um knapp 60 Euro los, während man bei Magenta für 60 Euro etwas weniger Speed bekommt. A1 kann da sowieso nicht mithalten – hier liegt man bei einem 5G-Einstiegspreis von 74,90 Euro.

Unser Fazit: Das 5G-Netz von Drei in Österreich läuft gut – besser als wir erwartet haben. Zumindest in Hauptstädten wie Linz, in ländlicheren Orten sieht es derzeit noch ziemlich mager aus. Auch bietet man für 60 Euro einen ziemlich verlockenden 5G-Tarif an, welcher aber ruhig noch mit etwas mehr Geschwindigkeit von sich überzeugen könnte. Geschwindigkeiten über 600 Mbit/s wie wir es erreicht haben, wird man nicht schaffen. Man kann allerdings gespannt bleiben was kommt, aber eines ist sicher: In einigen Jahren wird 5G in jedem Tarif der Standard sein.

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David Wurm

Macht das TechnikNews-Ding gemeinsam mit einem tollen Team schon über fünf Jahre lang. Ist an der aktuellen Technik fasziniert und bloggt gerne über alles Digitale. Ist sonst in der Freizeit oftmals beim Webentwickeln, Fotografieren oder Radiomachen anzutreffen.

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Tobias Kunt
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Tobias Kunt

Wurdet ihr von Drei bezahlt oder funzt 5G wirklich so gut? Macht das für einen Endkunden überhaupt schon sinn?